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Regensburg-Marathon 2000 - Laufbericht

Es reichte noch zu einen kleinen Schlussspurt  auf den letzten Metern der 42,195 Kilometer

Der Backofen von Regensburg

 

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Mein zweiter Marathon in Regensburg am 4.6.2000

Am 4.6.2000 war es wieder so weit. Endlich konnte ich nach meinem ersten Marathon in Berlin meinen zweiten Marathon angehen.
Natürlich wollte ich die Vierstundengrenze angreifen und fühlte mich auch dazu fit.
Aber es kam anders...

Vorgeschichte

Im Anschluss auf dem Berlin Marathon im Herbst 1999 ging ich noch ein paar kleinere Wettkämpfe, um an meinem Lauftempo zu arbeiten. Im Oktober bewältigte ich dann schließlich die 10 km in Postbauer Heng unter nicht zu idealen Bedingungen in 48:50 und war damit sehr zufrieden.
Es folgten bis zum Dezember ein paar weitere Läufe, bis ich dann schließlich in die Winterpause ging.
Dabei reduzierte ich mein Training auf ca. 30 - 40 km in der Woche.
Im Frühjahr ging ich dann wieder zwei schöne Testkämpfe, wobei ich meine Halbmarathonbestzeit auf 1:51:01 verbessern konnte.
Nach einer weiteren Steigerung des Trainings in der Spitze bis auf ca. 70 km in der Woche mit längeren Läufen fühlte ich mich für meinen zweiten Marathon fit.

Der große Tag

6:00 - 9:00

Eine Stunde vor dem Start

Ich stehe kurz nach 5 Uhr auf, da ich mit dem Auto noch 140 km nach Regensburg zurücklegen muss. Das wird ein toller Tag, denke ich mir, als ich eine herrliche strahlende Sonne aufgehen sehe. Gegen 7 Uhr komme ich in Regensburg an und finde noch einen guten Parkplatz.  Es ist hier schon richtig was los, so früh am morgen denke ich mir.  Da ich ja noch so viel Zeit habe vergammle ich etwas die Zeit und saug die gute Atmosphäre in mich auf. Gegen 8 ist es allerdings schon so heiß, so dass ich ins grübeln komme wie die Temperaturen wohl um 12 / 13 Uhr aussehen werden. Mittlerweile umgezogen, mache ich gegen halb neun ein paar Stretchübungen. 
Eine halbe Stunde vor Start

Um 8:45 schau ich mir den tollen Start der Skater an. Dort legen Hunderte Rollerskater beim Startschuss einen Blitzstart hin ohne, dass was passiert. Ich bin begeistert. Kann mich aber nicht lange aufhalten, da ich mich danach noch etwas warmlaufe und mich in den Starterblock begebe. Mittlerweile ist es schon so heiß und schwül geworden, dass mir bereits der Schweiß herunter läuft, obwohl es noch gar nicht losgegangen ist. Ich scherze mit meinem Laufnachbarn, ob wir es bei der Hitze bis zur Startlinie schaffen werden, die immerhin ca. 300 m entfernt ist. Punkt 9 erfolgt der Startschuss, den wir so weit hinten gar nicht hören.

9:00 - 10:00 KM 0 - KM 10 Zeit: 55:30

Der Start. Die Wolken am Himmel lösten sich leider schnell auf.Der Pulk setzt sich langsam in Bewegung. Ca. 2 Minuten nach den ersten Läufern überquere auch ich die Startlinie. Ich verliere keine Zeit, da wir alle einen Chip am Laufschuh tragen. Dabei müssen wir am Start, Ziel und auch zwischendurch über ein Matte laufen, wo die Zeit von einem Computer erfasst wird.
Bei den ersten 20 Minuten taktiere ich noch richtige und laufe im sehr gemäßigten Tempo und niedrigen Pulsbereich. Die Strecke führt zuerst an einer Allee entlang bis wir schließlich in die Altstadt gelangen. Unterwegs feuern uns die Zuschauer begeistert an und verschiedene Musikbands mit den unterschiedlichsten Musikrichtungen heizen uns so richtig ein. 
Die ersten vier Kilometer sind von der Strecke her sehr nett. Danach wird es monotoner, da sich dann die Strecke auf einer ewig langen Geraden auf einer schattenlosen Bundesstraße bis fast nach Barbing hinauszieht.
Nach 5 km kommt die erste Erfrischungsstelle, wo wieder mal das übliche Gedränge ist. In Anbetracht der bereits sehr hohen Temperaturen, genehmige ich mir gleich zwei Becher.
Mittlerweile in eine rechte Euphorie geraten, verschärfe ich mein Tempo viel zu sehr und überhole Läufermassen im Zickzack-Kurs. Bei den Überholten sehe ich bereits die ersten, die nicht mehr laufen sondern nur noch gehen. Das hätte mich nachdenklich stimmen sollen. Der Puls überschreitet dabei schnell die 160 er Marke und greift dann hart die 170 er an.
Unterwegs sehe ich nun eine Läuferin, die sich von ihren Husky ziehen lässt. 
Laut der Presse bekam der Hund beim Zieleinlauf auch eine Medaille und eine extra Portion Rindfleisch, die er sich bestimmt verdient hatte.
Ein weiterer Läufer mit Filzhut (bei der Hitze!) und Teddybär im Rucksack schiebt sein Kindchen vor sich her. Dabei fährt er mich fast über den Haufen. Schließlich nervt er mich so, dass ich einen kleinen Zwischenspurt einlege. Aber irgendwie geraten wir noch ein paar mal im Lauf des Laufes aneinander.
Auf der ewigen Geraden kommen uns auf der Gegenseite bereits die Spitzläufer entgegen. Ziemlich früh sehen wir dabei auch die blitzschnellen Afrikaner der Führungsgruppe, gar nicht so lange nachdem noch die letzten Rollerskater in unser Blickfeld gerieten.
Plötzlich ist ein richtiger Läuferpulk vor mir. Diesen kann ich nur mit äußerster Mühe überholen. Als ich zurückblicke sehe ich anhand eines Luftballons, dass das die Läufergruppe ist, die bei 3:59 ins Ziel gehen will.
Ich bin richtig fröhlich, dass ich an denen nun auch noch so flott vorbeigezogen bin.

10:00 - 11:00 KM 10 - KM 21,0975 Zeit: 1:59:59

Kilometer 10 passiere ich voll im Plan nach 55:30 Minuten und bin 6 Minuten schneller als in Berlin. 
Es folgt endlich die zweite Erfrischungsstelle, wo ich einen Powerriegel reinschiebe und zwei Becher Wasser herunterwürge. Ich tauche auch erstmals meinen Schwamm in die dafür vorgesehenen Wasserwannen ein und mach ich wieder etwas frisch. Diese Frische verpufft jedoch schon auf den nächsten hundert Metern.
Da ich mir einbilde, dass mich die Blase drückt, versuche ich bei Kilometer 13 zu urinieren. Das klappt nicht und danach habe ich Bauchschmerzen.

Bei der Erfrischungsstelle bei km 14 lasse ich mich mit einem Schlauch nass spritzen. Dadurch bekomme ich auch noch nasse Füße. Das ist unangenehm. Bei den weiteren Erfrischungsstellen unterlasse ich das. Die Anfangseuphorie ist nun ziemlich dahin. Die Hitze wird nun langsam unerträglich und ab Kilometer 17/18 muss ich bereits mein Tempo reduzieren, ohne dass mein Puls dadurch niedriger wird. 
Nun hört man auch schon bereits die Sanka-Sirenen des ersten Noteinsatzes. Dieses Geheul ermahnt mich das Tempo noch einmal zu drosseln.
Mittlerweile haben wir den schönsten Teil der Strecke erreicht. Es geht zuerst durch ein wunderbares Stadttor in die Altstadt. 
Dann überschreiten wird die Donau auf der eisernen Brücke, die durch die vielen Läufer richtig toll in Schwankung kommt. Als wir den festen Boden wieder erreichen, fühle ich mich wie ein Matrose der lange auf See war und nun endlich wieder auf Land ist.
Nach der Überschreitung der Donau geht es gleich wieder über die Steinerne Brücke zurück.
Die Pflastersteine und die Steigung sind etwas unangenehm. 
Aber so wie wir den Scheitelpunkt der Brücke erreicht haben, tut sich ein herrlicher Blick auf Altstadt und Dom und den vielen Zuschauern auf.
Hinter der Brücke geht es durch die engen Gassen der Altsstadt, wo wir frenetisch angefeuert werden.
Es kommen mir fast Tränen vor Rührung hoch. 
Wir verlassen danach wieder die Altstadt und beenden auf den sich sehr in die Länge ziehenden letzten 3 km die erste Runde.
Meine Leistungsfähigkeit lässt nun erheblich nach und ich weiß jetzt schon, dass ich die Marathondistanz nicht unter 4 Stunden zurücklegen werde. Jedenfalls will ich noch die Halbmarathondistanz unter zwei Stunden zurücklegen, was mir ganz knapp in 1:59:59 gelingt. 
Neidisch schaue ich auf die Halbmarathonläufer, die es nun schon hinter sich haben.
Ich denke mir: Und diese ganze Strecke soll ich nun noch einmal laufen?
In diesem Augenblick weiß ich auch, dass es hier auch nicht mehr um die Unterbietung meiner Bestzeit von 4:08:09 in Berlin geht sondern, dass ich nur noch durchkommen will und wenn es am Schluss 5 Stunden sind.

11:00 - 13:35 KM 21,1 -42,195 
Die zweite Runde des Leidens 
Zeit: 4:33:12

Um durchzukommen drossle ich das Tempo total und jogge nur noch langsam wie im lockersten Training.
Im Training wäre mein Puls in diesem Tempo vielleicht bei 120, maximal bei 130 aber nun schwankt der Puls immer noch zwischen 150 und 160. Dies ist ein typisches Zeichen, dass mein Körper überhitzt ist und der Kreislauf langsam Probleme bekommt. Überholte ich bislang viele Läufer, so werde auch ich nun sehr verstärkt wieder überholt.  Doch sehe ich nun auch das große "Sterben". Immer mehr Läufer gehen nun nur noch spazieren.  Außerdem hört man von nun ab die Sirenen der Sankas dauernd heulen.
Die vielen Kilometer bis zur Erfrischungsstelle auf Kilometer 26 werden zur Qual.
Auf der Straße findet man keinen einzigen Schatten und der Asphalt hat sich mittlerweile höllisch aufgeheizt.
So bin nun auch ich gezwungen ein Stück zu gehen und schleppe mich verdurstend zur nächsten Erfrischungsstelle. 
Dort mache ich ein gemütliches, kleines Päuschen. Esse etwas, trinke in Ruhe zwei Becher Wasser und auch etwas Elektrolyt. Dann geht es im gemütlichen Tempo weiter.
Das rächt sich natürlich mit der Zeit, so dass ich in brennender Hitze die Zeitmatte bei km 31 nach über 3 Stunden überquere. Dort gibt es auch endlich wieder was zu trinken. Bei diesen Temperaturen haben die Veranstalter einfach für zu wenig Erfrischungsstellen gesorgt.
Gottlob sorgen einige Anrainer der Strecke in Privatinitiative für die Läufer und stellen z.B. einen Eimer kalten Wasser an den Rand der Strecke, wo ich meinen Schwamm zum Erfrischen eintauchen kann.

Als wäre die Schwüle und Hitze nicht genug fühlt sich meine Lunge nun auch noch richtig verätzt an. Sollte auch noch der Ozongehalt der Luft heute besonders hoch sein?

Dieses Problem zwingt mich schließlich zu immer häufigeren Gehpausen, die mir sehr viel Zeit kosten.

Langsam fühle ich mich wie auf einen Wandertag. Unzählige Läufer neben mir stellen nun ihr Tempo in ein Wandertempo um. Das wird eine schlechte Endzeit werden denke ich mir.
Endlich geht es wieder Richtung Altstadt. 
Die Eiserne Brücke kommt nun nicht mehr in Schwankungen, da die meisten der Mitläufer nur noch gehen.
Auf der Steinernen Brücke wird gerade ein Läufer in den Sanitätswagen rein gehoben. Er schaut absolut fertig aus. Da geht es mir ja noch so richtig gut.
In den engen Gassen der Altstadt schwitzen die Zuschauer in den Cafes. Als ich wieder zu traben anfange ernte ich Applaus.

Auf den letzten 3 Kilometern wechsle ich das Laufen immer wieder mit Gehpausen ab. Der Puls liegt selbst im Wandertempo noch bei 140 und mehr.
Mein Zieleinlauf Den letzten Kilometer jogge ich durch und lege am Ziel noch einen Schlussspurt hin. Dabei überhole ich eine Läuferin, die mich reinlegt. Im letzten Augenblick holt sie mich noch vor der Ziellinie, die ich dann glücklich erreiche. Die Ziellinie passiere ich ziemlich genau 25 Minuten langsamer als in Berlin.  Beim Zieleinlauf sagt der Sprecher außerdem die Namen der Läufer durch, was richtig gut tut. 
Einer der Veranstalter klopft mich anerkennend auf die Schulter. Da wird mir bewusst, dass jeder Läufer egal in welcher Zeit er die Ziellinie passiert hat, heute großes vollbracht hat.

Nachlese

Ich erhalte sogleich eine schöne Medaille. Alle Läuferinnen außerdem eine rote Rose. Auch die Rosen sind allerdings von der Hitze etwas mitgenommen.
Außerdem erhalte ich einen Trinkbecher, den ich mir mehrmals mit einer Cola- / Mineralwassermischung füllen lasse, wovon ich in der nächsten halben Stunde wohl zwei Liter trinke.
Ich fühle mich nachdem ich mich auch noch etwas frisch gemacht, bald wieder recht gut und fit.
Die anderen Läufer sehen noch recht erschöpft aus. Einer hat sogar Blutflecken an seinem Lauf-Shirt. Er muss sich tierisch die Brustwarzen aufgewetzt haben.
Zieleinlauf  einer Läuferin des hinteren Feldes Später guck ich mir noch ein paar Zieleinläufe an. Erst nach 5 1/2 Stunden, wo immer noch Läufer eintrudeln, wird das Ziel dicht gemacht.
Insgesamt fühle ich mich gut, bin erfreut dass ich es doch geschafft habe und habe mir nicht einmal eine Blase gelaufen. 

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