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Reklamemarken und Vignetten

Hier wird die Faszination des Sammeln von Reklamemarken und Vignetten beschrieben

Reklamemarke

Reklamemarke für Norica Nadeln aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg

Hauptseite Motivmarken  - Hauptbriefmarkenseite

Reklamemarken, Anlassmarken, Siegelmarken, Spendenmarken, Cinderellas, Militär- und Propagandamarken, Wohltätigkeits- und Veranstaltungsmarken

Reklamemarke

Zwei Reklamemarken für Stickereien aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg

 

Inhalt

Einführung Reklamemarken - ein Artikel von Manfred Zollikhofer
Bilder Teil 1 Bilder Teil 2
Links Mails / Leserbriefe

Einführung

Reklamemarken dienten im Unterschied zu Briefmarken nicht der Freimachung von Briefen und Paketen. Man verwendete diese Marken zum Verschließen oder auch einfach nur zur Verzierung von Briefen, gerade wenn die zur Verfügung stehenden Briefmarken nur langweilige Motive zeigten.
Für die Hersteller dieser meist hübschen Marken war das eine gute Möglichkeit für ihre Produkte zu werben. Aber es gab und gibt nicht nur reine Reklamemarken, die für bestimmte Produkte werben, sondern es existieren auch Anlassmarken, Siegelmarken, Weihnachtsmarken, Spendenmarken, Militär- und Propagandamarke, Wohltätigkeits- und Veranstaltungsmarken, die ebenfalls private Firmen, Vereine, Parteien aber auch staatliche Institutionen herausgaben. Auch sie besitzen keinen postalischen Wert. Aber die Briefschreiber klebten sie dennoch gerne zur Verschönerung auf ihre Briefe drauf.
All dies Marken ohne Postwert bezeichnen viele auch als Vignetten oder im englischen als Poster Stamps. Die hohe Zeit dieser Marken war wohl 1890 - 1920. In der Blütezeit von 1900 - 1914 gab es sogar mehr Reklamemarkensammler als reine Briefmarkensammler. Das nicht zu Unrecht, denn viele dieser Marken tragen wunderschöne Motive. Alleine in Deutschland wurden nach Schätzungen bis 1913 mehr als 50.000 verschiedene Ausgaben gedruckt. Der 1. Weltkrieg beendete das Goldene Zeitalter der Reklamemarken erst einmal.

Diese Marken können auch heute noch oft für relativ wenig Geld erworben werden, obwohl es schwer ist so manche dieser Marken noch zu entdecken, da sie einige in recht geringer Stückzahl hergestellt wurden. Umso mehr darf man sich freuen, wenn man so eine kleine Rarität entdeckt.
Auch für eingefleischte Briefmarkensammler ist dieses Sammelgebiet sicher eine gute Möglichkeit mal über den eigenen Tellerrand hinauszugucken. Dieser Artikel möchte dazu anregen!

Viel Spaß dabei!

Thomas Schmidtkonz

P.S. Wer Bilder von schönen Reklamemarken hat, kann Sie mir zusenden und wird auf dieser Seite namentlich genannt.
Ja, ich möchte ein Bild zur Verfügung stellen!

Reklamemarken - von Manfred Zollikhofer aus dem SJ-Archiv

Sammelhysterie in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg

„Wie der erste warme Sommertag plötzlich tausend und abertausend Insektenschwärme ans Licht lockt, von denen gestern noch nichts zu sehen war, und die nun tanzend und summend mit einem Male zauberhaft die ganze Luft erfüllen, so umflattern uns seit kurzem, eben noch kaum gekannt, ungezählten bunten Schmetterlingen gleich, die kleinen, in allen Farben leuchtenden Reklamemarken. Wer könnte veranschlagen, wie viele es ihrer heute schon gibt! Eines aber ist gewiss: in diesen Millionen bunter Blättchen, die da der moderne Kaufmann verschwenderisch über die Welt streut, die vielfach von Künstlerhand entworfen und stets in kostspieligem mehrfarbigem Druck ausgeführt sind, steckt heute schon ein durchaus beträchtliches Kapital.”

So zumindest schreibt Dr. Carl Weichardt in der „Illustrierten Zeitung Leipzig", Juli 1914. Und er verfällt in reinste Lyrik, wenn er die Funktion der Reklamemarke weiter erläutert: „Für den Kaufmann nun bedeutet die Reklamemarke solch einen nützlichen, lebensfördernden Bazillus, der überallhin- gelangt, alles durchdringt, der die schädlichen Trägheitsbakterien auffrisst und neben der Medizin des Inserats, neben dem Gewalteingriff, den gewissermaßen das Plakat ausübt, als ein wirksames Serum gegen die Trägheit und Vergesslichkeit des kaufenden Publikums unbedingt willkommen geheißen werden darf, Man könnte auch sagen: das Plakat wirkt wie ein kräftiger Platzregen, die Reklamemarke gleicht dem lang anhaltenden Landregen, dessen feines Tropfengesprühe in jede Ritze dringt und den Erdboden wirklich durchfeuchtet. dass er Früchte trägt.-
Nicht alle Zeitgenossen teilten diese Begeisterung. Aus den Reihen der Philatelisten kommen Töne tiefster Verachtung für die Sammler solcher „Vignetten“. Und aus den Federn verkrampfter Pädagogen fließen geradezu hysterische Pamphlete. Da ist die Rede von einer Verwahrlosung des Geschmacks, von einer Förderung des kindlichen Charakters durch die Sammelleidenschaft, ja, einige sprechen gar von einer Massenerkrankung.

Im Januarheft 1913 der Zeitschrift „Das Plakat" kann man lesen: „Einer Seuche gleich griff der neue Sport des Propagandamarkensammelns unter der Münchner Jugend um sich." Der Autor Dr. Adolf Saager berichtet weiter: „Beim Viktualienmarkt trafen sich die Jungen zu bestimmten Stunden und hielten eine regelrechte Börse mit den begehrten Marken an. Man musste in der Schule strenge Verbote erlassen, und die Polizei wurde aufgeboten, um das Verkehrshindernis der Freiluftbörse zu beseitigen. Aber alles half nichts."
Ähnliches berichtet ein Dr. Hans Sachs aus Berlin: „Auf allen größeren Spielplätzen werden Reklamemarken gehandelt." Und natürlich waren es nicht nur Kinder, die von dieser Epidemie erfasst wurden. Es kam zur Gründung von Reklamemarkensammler-Vereinen, die eigene Zeitschriften herausgaben und öffentliche Ausstellungen veranstalteten.
Doch, so schnell, wie die Epidemie ausgebrochen war, so schnell klang sie auch wieder ab. Schon 1914 wird von einem Abflauen des Reklamemarken-Sammelns berichtet. Der Ausbruch der Epidemie ist schwer zu datieren, dürfte jedenfalls nicht vor 1910 anzusetzen sein. Die Zeit der Hochblüte dürfte nur drei oder vier Jahre gedauert haben. In diesem kurzen Zeitraum erfasste die „Remarkomanie" (eine bemerkenswerte Wortschöpfung aus jener Zeit) den gesamten deutschen Sprachraum und griff auch auf die Nachbarländer über. In Italien, in England, in Dänemark und in Russland, ja selbst in den Vereinigten Staaten von Amerika wurden Reklamemarken gedruckt. Aber in keinem dieser Länder erreichte die Produktion ein so gigantisches Ausmaß, wie im deutschen Sprachraum.

Reklamemarke

Drei Reklamemarken für Biomalz aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Auch damals war offensichtlich das Thema Bioprodukte ein Thema.
Bildquelle: Sammlung Thomas Schmidtkonz

Schon seit den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts waren in all diesen Ländern Ausstellungsmarken und andere Gelegenheitsmarken bekannt. Aber dieses Material hatte offensichtlich nicht die Explosivkraft der Firmen-Reklamemarke, deren Ausbruch um 1913 das ganze Deutsche Reich erschütterte. Nur der unselige Kaiser Wilhelm scheint von dem Bazillus verschont worden zu sein. Hätte die „Remarkomanie“ auch ihn erfasst, dann wäre vielleicht der Erste Weltkrieg verhindert worden.

Zwischen 1910 und 1915 dürften in Deutschland an die 100 000 verschiedene Reklamemarken gedruckt worden sein. Die Auflagen erreichten teilweise Millionenhöhe.
Die Etikettenfabrik Nicolaus in Bremen prahlt auf einer Werbemarke: „Kolossal ist die Fabrikation von Etiketten und Rabattmarken. Täglich ca. 15 Millionen: Auch wenn hier die Rabattmarken mitgezählt sind, so vermittelt uns diese Zahl doch einen gewissen Eindruck von dem Ausstoß einer Druckerei. Und die Druckerei Nicolaus war nur eine von vielen im Lande.“
Dr. Hans Sachs berichtet von einer Druckerei, die von einer Zigarettenfirma einen Auftrag über 5 Millionen Reklamemarken erhielt. Der Auftrag bezog sich auf 30 Sujets; umgerechnet bedeutet dies eine Auflage von rund 167000 je Marke.
Und dies war nur der erste Auftrag. Von zahlreichen Serien wurden mehrere Auflagen gedruckt. Die Firma Georg Schicht A. G. in Aussig ließ von 50 Reklamemarken insgesamt 30 Millionen drucken. Das wäre eine Auflage von 600 000 je Marke. Und diese Marken gehören noch keineswegs zu den häufigsten.
In der Zeitschrift „Das Plakat" kann man lesen, dass von der Münchner Gewerbeschau 6 Millionen Marken gedruckt wurden, wovon eine halbe Million an Händler verkauft wurde. Dadurch wurden die Druckkosten gedeckt.
Es scheint üblich gewesen zu sein, neben der kostenlosen Verteilung der Marken an Kunden Teile der Auflage an Händler zu verkaufen: Bei diesen konnten dann Sammler, welche die kostenlose Verteilung versäumt hatten, die Marken käuflich erwerben. In der Festschrift zur 1. Propagandamarkenausstellung München 1912 sind zehn Spezialhandlungen für Reklamemarken in München aufgeführt. Und in allen anderen Großstädten gab es ähnliche Spezialgeschäfte. Auch über Kunsthandlungen, Papierwarengeschäfte und sogar über Straßenhändler wurden die Reklamemarken verkauft.

Meist waren die Marken als Serien konzipiert. Manche Firmen gaben großzügig die ganze Serie auf einmal ab, andere wieder tüftelten ein kompliziertes Verteilungssystem aus. Das Schuhwarenhaus Speier etwa gab in seinem Hauptgeschäft zwei Marken eines 6teiligen Satzes aus, in zwei Filialen jeweils eine weitere Marke. Die beiden letzten Marken aber erhielt nur der Kunde, der auch ein paar Schuhe kaufte.
Andere Firmen wieder legten ihre Marken den Packungen ihrer Ware bei. Wer den kompletten Markensatz haben wollte, musste die größte Packung kaufen.
Die größte Fülle von Werbemarken wurde wohl von der Nahrungs- und Genussmittelindustrie herausgegeben.
Manche Firmen brachten auf einem Markensatz ihren Namen oder einen Werbeslogan unter, der sich dann aus einzelnen Buchstaben zusammensetzen ließ. Bei anderen Firmen ergab der Satz, richtig zusammengelegt, ein Gesamtbild oder eine Geschichte. Manchmal wurden auch die zwölf Monate oder das Alphabet als Serienprinzip verwendet. Oft ergab sich die Zahl der verschiedenen Produkte, welche die Firma vertrieb. Firmen mit geringer kreativer Potenz druckten oft zahllose Farbvarianten einer Marke.
Minderbemittelte Firmen konnten bei den Verlagen auch Blankoserien erwerben, denen sie dann einfach ihren Firmennamen aufdruckten. Manchmal wurden solche, Marken auch ganz ohne Firmenaufdruck verteilt. Offensichtlich wagte zu jener Zeit kaum ein Händler, seine Kunden zu verärgern, indem er keine Reklamemarken anbieten konnte. Wo das echte Engagement fehlte, versuchte man sich dann oft auf möglichst billige Weise aus der Affäre zu ziehen. Die bevorzugten Themen solcher Blankoserien waren Städte- und Landschaftsbilder, berühmte Köpfe, Trachten, Märchen, Sportbilder, Geschichtsbilder oder Bilder aus dem Soldatenleben. Hier zeigt sich die starke Verwandtschaft zu den Reklamesammelbildern, die schon um 1870 herum von einzelnen Firmen als Zugabe zu ihrer Ware herausgegeben worden waren. In Deutschland sind die Sammelbilder der Firmen Liebig und Stollwerck wohl die bekanntesten. Beide Firmen gaben aber später neben den Reklamesammelbildern auch Reklamemarken aus.

Geschichte

Über die Stammesgeschichte der Reklamemarke ist viel schrieben worden. Dem Sammler der Jahrhundertwende war es offenbar ein tiefes Bedürfnis, das Objekt seiner Sammelleidenschaft dadurch aufzuwerten, dass man ihm einen möglichst alten Stammbaum nachweisen konnte. Da lesen wir, dass eine gerade Linie von den goldenen Siegeln der babylonischen Könige über die Bleisiegel der Päpste, die Wachssiegel der mittelalterlichen Fürsten und die im 16. Jahrhundert aus Asien importierten Lacksiegel bis zu den geprägten Papiersiegeln führt, welche im 19. Jarhundert als Brieferschlussmarken dienten.
Diese Siegelmarken waren zunächst rund und trugen nur ein Wappen oder Initialen. Siegelmarken mit kleinen Bildern als Werbemittel für Ausstellungen tauchen erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf.
Ganz vereinzelt werden auch schon ältere Werbemarken gemeldet. Da soll es angeblich schon 1851 eine Marke zur Londoner Weltausstellung gegeben haben. 1864 soll anlässlich des 300jährigen Geburtstages von Shakespeare eine Gedenkmarke erschienen sein. 1877 soll anlässlich der 50. Versammlung der deutschen Naturforscher und Ärzte in München die erste deutsche Werbemarke aufgetaucht sein.
Wenn wir andererseits im „Weltarchiv", der Halbmonatsschrift für Sammler, Händler, Drucker und Verbraucher von graphischen Erzeugnissen (7/1913) lesen, dass geschäftstüchtige Händler nachträglich Marken von längst verflossenen Ausstellungen herausgegeben haben und eine Marke „Graz 1870" als solche Fälschung entlarvt wird, dann ist wohl grundsätzlich Skepsis angebracht, wenn solch frühe Funde gemeldet werden.
Zweifelsfrei gab es seit 1894 Ausstellungsmarken. Es verging dann aber noch ein gutes Jahrzehnt, bis auch die Produktwerbung das neue Werbemittel entdeckte. Die runde Siegelform war inzwischen immer mehr durch rechteckige Formen verdrängt worden. Auch die Funktion des Briefverschlusses war weitgehend verloren gegangen. Zwar empfahlen auch die Firmen immer wieder ihren Kunden, die Reklamemarken auf Briefe zu kleben. Doch dieser Rat wurde offensichtlich nur selten befolgt. Wer eine schöne Marke erbeutet hatte, wollte diese meist selbst behalten oder damit seinen Kindern oder einem befreundeten Sammler eine Freude machen. Auch Dubletten ließen sich bei anderen Sammlern gegen Marken eintauchen, die man noch nicht besaß.

Künstler

Der entscheidende Impuls für den großen Aufschwung der Reklamemarke ging von München aus. Die Konstellation von finanzstarken Unternehmern, qualitätsbewussten Druckereien und potenten Künstlern war hier ungewöhnlich günstig. In München wirkten Ludwig Hohlwein, Eduard Ege, Franz Paul Glass, Karl Kunst, Carl Moos, Otto Obermeier, Otto Ottler, Oskar Petersen, Emil Pirchan, Fritz Rehm, Siegmund von Suchodolski, Willy Wolff und Valentin Zietara, um nur einige der berühmten Namen zu nennen. Nur Berlin konnte noch mit einer ähnlich illustren Garde von Künstlern aufwarten. Dort wirkten Leon Amar, Lucian Bernhard, Julius Gipkens, Julius Klinger, Stephan Krotowski, die Zwillinge Lehmann-Steglitz, Hans Lindenstaedt, Joe Loe, Paul Scheurich, Hans Rudi Erdt und Fritz Rumpf.
Leider ist über die meisten dieser Künstler kaum etwas bekannt.
Selbst das umfangreiche und teure Katalogwerk „Das frühe Plakat in Europa und den USA", das von Hamburger und Berliner Museumsleuten erarbeitet wurde, und dessen Band 3 „Deutschland" 1980 erschien, bietet nur Dürftiges. Von einigen der erwähnten Künstler sind nicht einmal die Lebensdaten bekannt. Dabei leben deren unmittelbare Nachkommen sicher noch unter uns. So viel Unfähigkeit auf Seiten der einschlägigen Wissenschaft verbittert den Sammler.
Fast alle namhaften Künstler der Jahrhundertwende entwarfen unter anderem auch Reklamemarken. Diese wurden allerdings nicht immer signiert. Von Ludwig Hohlwein sind über 100 Reklamemarken bekannt. Ähnlich produktiv waren Siegmund von Suchodolski und Kurt Böttcher.

Plakative Reklamemarken

Oft sind die Reklamemarken nur verkleinerte Wiedergaben von großen Plakaten der betreffenden Künstler. Ludwig Hohlwein schreibt zwar in der „Illustrierten Zeitung Leipzig" 1914: „Die Reklamemarke, schon durch ihr winziges Format bedingt, soll eine kurze, witzige oder prickelnde Note im Reklamewesen darstellen. Sie kann dies nur, wenn der Künstler mitwirkt, indem er nur für diesen Maßstab Gearbeitetes schafft." Dies war offenbar ein reines Lippenbekenntnis, das der damals herrschenden akademischen Lehrmeinung Rechnung tragen wollte. In Wirklichkeit sind fast alle Reklamemarken von Hohlwein gleichzeitig auch als Plakate erschienen. Und diese Plakate sind auch in der Verkleinerung noch von so durchschlagender Überzeugungskraft, dass der akademische Lehrsatz, nach dem ein Plakat keine Verkleinerung dulde, vielfach widerlegt wurde. So kann man die Reklamemarken getrost als Miniatur-Plakate bezeichnen. Und in der Tat wurde ein großer Teil Plakate jener Zeit gleichzeitig auch als Reklamemarke gedruckt.
Daneben gab es selbstverständlich auch reine Reklamemarken-Entwürfe. So schrieb etwa die Sektfirma Matthaeus Müller einen Wettbewerb für eine „Müller-Extra"-Reklamemarke aus, zu welchem 1800 Entwürfe eingereicht wurden. Diese wurden 1913 in Leipzig öffentlich ausgestellt, und die prämierten Entwürfe erschienen dann als Reklamemarken.
Die Abstammung der Reklamemarke von der Siegelmarke lässt sich nicht widerlegen. Trotzdem muss hervorgehoben werden, dass die Reklamemarke sich schon kurz nach ihrer Geburt von der Funktion des Briefverschlusses entfernt hat und durch die Einkreuzung von Merkmalen anderer starker Vorfahren eine eigene überlebensfähige Rasse entwickelt hat. Neben den Einflüssen von Plakat und Reklamesammelbild sind auch deutlich die Einflüsse von Exlibris und Briefmarke zu erkennen.
So zeichnet sich dieser Bastard durch eine ungewöhnliche Anpassungsfähigkeit aus, welche ihm noch jahrhundertelang eine ungefährdete Existenz sichern dürfte.

Der erste Weltkrieg

Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges trat die Produktwerbung für etliche Jahre in den Hintergrund, und der biologische Überlebenskampf dämpfte die Leidenschaft der Sammler. Die Reklamemarke verschwand von der Bildfläche. Wendig passte sie sich jedoch den veränderten Gegebenheiten an und erschien alsbald wieder im Dienste der politischen Propaganda. Hetzparolen gegen die Feinde von innen und außen ließen sich mit Hilfe der Propagandamarken verbreitet. Selbst die Fremdenverkehrswerbung passte sich dem Geist der neuen Zeit an. So warb etwa die Insel Norderney auf einer Werbemarke mit der Parole „Norderney ist judenfrei!". Auch die Gelegenheitsmarken passten sich problemlos der neuen Zeit an. Die Ornamente des Jugendstils werden verdrängt durch Hakenkreuze und Fahnen. Die jüdischen Künstler der Jahrhundertwende müssen emigrieren. Einige andere mit arischem Ahnenpass, wie Hohlwein und Suchodolski passen sich an. Statt des genusssüchtigen Dandys der Jahrhundertwende taucht auf ihren Plakaten nunmehr „der neue Mensch" auf, zielbewusst, willensstark und kampfbereit. Und sie bleiben weiter gut im Geschäft.

Wiederbelebung in den fünfziger und sechziger Jahren

Nach dem Krieg gab es wieder eine lange Flaute. In den fünfziger und sechziger Jahren erlebt die deutsche Werbung den absoluten Tiefpunkt ihrer Geschichte. Trotzdem überlebte die Reklamemarke auch diese trostlose Zeit in Form der Gelegenheitsmarke. Zu Ausstellungen und anderen Anlässen erschienen regelmäßig Marken. Die Firmenwerbung wird erst in den siebziger Jahren wieder kreativ. Und da erlebt auch die Reklamemarke, wenn auch in veränderter Form, eine neue Blüte.
Die meist großformatigen Aufkleber, die in den letzten Jahren von fast allen größeren Firmen herausgegeben und zum Zwecke der Werbung verteilt werden, sind nichts anderes als die mutierten Enkel der Reklamemarken, künstlerisch wohl etwas verarmt, aber trotzdem von ungebrochener Lebenskraft und, wie damals, wieder von jung und alt gesammelt.

Ein altes Sammelgebiet wird wiederentdeckt

Und auch die alten Reklamemarken fanden plötzlich wieder den Weg zum Licht. Immer mehr Sammler von alten Papierobjekten sind fasziniert von diesen kleinen Plakaten und veranlassen Freunde und Verwandte, einmal nachzusehen, ob auf dem Dachboden noch Gerümpel aus Urgroßvaters Jugend liegt. Und immer wieder werden dort überraschende Entdeckungen gemacht.
Der größte Teil solcher Böden dürfte inzwischen jedoch geräumt sein. Wie viele alte Hefte mit Reklamemarken mögen wohl auf dem Müll gelandet sein? Doch zu allen Zeiten dürfte es Leute gegeben haben, die ein Auge für die Schönheit dieser Marken hatten und sie zur Seite legten. Unter anderem haben zahlreiche Händler seit Jahrzehnten solche Alben gehortet in der Erwartung, dass eines Tages eine entsprechende Nachfrage einsetzen würde. Und sie wurden nicht enttäuscht.

Über das Sammeln von Reklamemarken

Die alten Reklamemarken werden heute zu Preisen zwischen 2 und 5 Euro gehandelt. Auf den Flohmärkten wird man nur noch selten fündig. Besser sind die Aussichten auf den Spezialmärkten für Papierobjekte, wie sie in Hamburg von Engel, in München von Meiner und in Stuttgart von Breitsprecher veranstaltet werden. Auch auf den Märkten für Ansichtskartensammler tauchen mitunter Reklamemarken auf.
Wer bereit ist, ganze Alben zu kaufen, kann oft noch recht günstig eine Sammlung aufbauen. Mancher Händler hat keine Lust. die Marken abzulösen und gibt lieber ein Album mit 300 Marken Inhalt geschlossen für 50 bis 100 Euro ab. Da es seinerzeit nur Alben mit Blankoseiten gab, auf welche jeder Sammler eben die Marken klebte, die er erbeuten konnte, sieht jedes Album anders aus. Kinder klebten die Marken oft einfach in Schulhefte. Seltener tauchen gepflegte Sammlungen auf. Diese erzielen dann natürlich höhere Preise. So wurde etwa im Jahre 1978 die berühmte Rampacher-Sammlung, welche aus rund 60 000 Gelegenheitsmarken aus allen Ländern bestand, für 96 000 DM versteigert. Ein Franzose zog dieses Objekt an Land.
Verschiedenen Zeitungsnotizen der letzten Jahre war zu entnehmen, dass das Stadtarchiv Frankfurt, das Gutenberg-Museum in Mainz und das Deutsche Museum in München Sammlungen von Reklamemarken besitzen. Über den Umfang dieser Sammlungen fanden sich keine Angaben.
Das Institut für Werbewissenschaft und Marktforschung der Wirtschaftsuniversität Wien besitzt angeblich eine Sammlung von 18 000 Marken.

Erheblich umfangreicher ist die Privatsammlung des Coburgers Hugo-Heinz Welder, der schon 1964 einen Sammlerverein für nichtpostalische Marken unter dem Namen „Erinnophilie International e. V." gründete, der heute ungefähr 200 Mitglieder hat und jährlich mit vier Ausgaben ein eigenes Vereinsblatt herausgibt.
Die „Erinnophilie International" ist der Nachfolgeverein der schon 1888 gegründeten „Deutschen Gesellschaft für Staats- und Privatmarkenkunde e. V." und des „Internationalen Propagandamarken-Sammlervereins von 1912".
Leider sind unter den 200 Mitgliedern dieses Vereins nur wenige Universalsammler. Die meisten sammeln nur eng begrenzte Gebiete, wie z. B. Luftfahrt, Tabak, Militärmarken oder die Marken einer bestimmten Stadt.

Tipps zum Aufbau eine Reklamemarkensammlung

Je nach der individuellen Interessenlage kann eine Reklamemarkensammlung sehr unterschiedlich aufgebaut sein. Der Sammler von Gelegenheitsmarken kann seine Sammlung nach Jahren gliedern. Der Sammler von Firmenreklamemarken muss sich entscheiden, ob er seine Sammlung nach regionalen Gesichtspunkten oder nach Produktgruppen gliedern will. Der eine bevorzugt Steckalben, der andere Karten, die sich bei Bedarf leicht umgruppieren lassen. Der Universalsammler kann einen Teil seiner Sammlung auch nach Künstlern gliedern. Bei dem weitaus größten Teil der Marken wird sich der Künstler jedoch nicht ermitteln lassen. Auf einigen Spezialgebieten der nicht postalischen Marken gibt es Kataloge. Die Sammler von Firmenreklamemarken haben jedoch nichts dergleichen. Und dieser Bereich ist auch zu umfangreich, als dass ihn jemals ein Einzelner bearbeiten könnte.
Allenfalls könnte mal einer auf die Idee kommen, wenigstens einen Teilbereich. ein bestimmtes Produktgebiet zu erfassen, indem er mit anderen namhaften Sammlern Fotokopien austauscht. Produktbereiche wie z. B. Tabak, Bier, Kaffee, Schokolade oder Pharmazie würden sicher eine große Fülle von reizvollen Reklamemarken bieten.
Eine solche Katalogisierung würde aber alsbald einen großen Ansturm neuer Sammler nach sich ziehen. Und die steigende Nachfrage würde zwangsläufig die Preise weiter in die Höhe treiben. Der leidenschaftliche Sammler von Firmenreklamemarken kann sich eine größere Transparenz dieses Sammelgebietes eigentlich gar nicht wünschen. Nur Bürokratenseelen brauchen für alles eine höhere Autorität. Der echte Reklamemarken-Freak fischt lieber weiter im Trüben und freut sich klammheimlich über jeden neuen Fund. Welches andere Sammelgebiet hält noch so viele große Überraschungen bereit?

Text: SJ-Archiv, Manfred Zollikhofer

Bilder

Zwei Reklamemarken für Stickereien aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg

Reklamemarke

Bildquelle: Sammlung Thomas Schmidtkonz

Drei Reklamemarken für Norica Nadeln aus Nürnberg aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg

Reklamemarke

Bildquelle: Sammlung Thomas Schmidtkonz

Reklamemarke für Kathreiners Malzkaffee aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg

Reklamemarke

Bildquelle: Bildarchiv Thomas Schmidtkonz

Reklamemarke für SIWA Tee aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg

Reklamemarke

Bildquelle: Bildarchiv Thomas Schmidtkonz

Reklamemarken für diverse Grammophone

Reklamemarke

Bildquelle: Roland Kupper aus Basel - E-Mail

Reklamemarken für diverse Grammophone

Reklamemarke

Bildquelle: Roland Kupper aus Basel - E-Mail

Reklamemarken für den Wintersport in Graubünden

Reklamemarke

Bildquelle: Roland Kupper aus Basel - E-Mail

Reklamemarken für Tobler Schokolade

Reklamemarke

Bildquelle: Roland Kupper aus Basel - E-Mail

Werbemarken für den Wintersportort Davos

Reklamemarke

Bildquelle: Roland Kupper aus Basel - E-Mail

Werbemarken für den Wintersportort Davos

Reklamemarke

Bildquelle: Roland Kupper aus Basel - E-Mail

Werbemarken für Davos im Sommer

Reklamemarke

Bildquelle: Roland Kupper aus Basel - E-Mail

Bilder Teil 2

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Hinweis

Sammlervereine zu Rotes Kreuz Vignetten gesucht! (18.02.2013)

Sehr geehrte Damen und Herren, ich sammle vom Roten Kreuz vor 1960 Vignetten, Soldatenmarken und Geldscheine und hätte gerne Anschriften von Sammlervereinen. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen.
Vielen Dank für Ihre Mühe Kurt Stippler

E-Mail

Phonographen-, Grammophon-Reklamemarken (16.01.2008)

Habe gerade die schöne und interessante Homepage angeschaut! Ich sammle Phonographen-, Grammophon-Reklamemarken, ferner spezielle Werbemarken von Davoshier ein paar Beispiele. Mit freundlichen Sammlergrüssen aus Basel von Roland Kupper, PF. 223, 4007 Basel

E-Mail

Links

www.reklame-marken.de Website über Reklamemarken
Günther Schweigers virtuelles Reklamemarken-Museum Das Institut für Werbewissenschaft und Marktforschung an der Wirtschaftsuniversität Wien verfügt über eine einzigartige Reklamemarkensammlung
www.erinnophilie.de Website der Arge Erinnophilie International in Berlin
www.sammlernet.de/reklam/index.htm Viele weitere Infos zum Thema Reklamemarken bei sammlernet.de

Reklamemarken bei eBay Deutschland ersteigern bzw. versteigern

Bei ebay sind zahlreiche Reklamemarken im Angebot
Cinderellas / Reklamemarke Wikipedia erklärt ausführlich was Cinderellas und Reklamemarken sind
www.reklamemarken.net Portal für Reklamemarken
www.reklamemarken.info Alles rund um alte Reklamemarken, deren Herkunft und frühere Bedeutung

 

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